Die Illusion vom selbstbestimmten Sterben?

Im Tagesanzeiger vom 27. Februar 2018 gab es einen Artikel zum Thema Patientenverfügung mit einem für mich ziemlich reisserischen Titel (siehe oben). Es werden darin die Resultate einer Nationalfonds-Studie zusammengefasst. Eine detaillierte Kommentierung meinerseits wird folgen, denn ich bin nicht mit allen Punkten darin einverstanden. Der Artikel zeigt jedoch auf, dass gewisse Kreise sich an der momentanen gesetzlichen Regelung stören.

Tagi-Artikel

 

 

Autor: Daniel Hoffmann

Erwachsenenschutzrecht, Erbrecht, Patientenverfügung, Vorsorgeauftrag, Strafrecht, Ausländerrecht, Asylrecht und Mietrecht. Rechtsanwalt Zürich www.patientenverfuegungvorsorgeauftrag.ch

2 Kommentare zu „Die Illusion vom selbstbestimmten Sterben?“

  1. Zu meinem am 1. März 2018 veröffentlichten Blogbeitrag möchte ich folgendes ergänzen:

    Ich finde zunächst den Titel des Tagesanzeigerartikels zu reisserisch. Denn das selbstbestimmte Sterben ist keine Illusion oder soll eben keine Illusion sein, sondern ein erstrebenswertes Ziel. Auch wenn es stimmt, und das zweifle ich nicht an, dass die meisten Menschen ihre letzte Lebensphase in Spitälern und Pflegeheimen verbringen, hindert dies eine bewusste Entscheidung im Rahmen einer Patientenverfügung keineswegs. Weiter wird in besagtem Artikel ausgeführt, dass die Resultate einer Nationalfondsstudie ergeben hätten, dass die Wünsche in Patientenverfügungen oft widersprüchlich und nicht realisierbar seien. Auf der Suche nach der Quelle dieser Aussage bin ich in dieser Studie auf Seite 26 unten auf folgendes gestossen:

    „Patientenverfügungen, wie sie im neuen Erwachsenenschutzrecht geregelt sind,
    tragen oft nicht befriedigend dazu bei, dass Ärzte oder Angehörige urteilsunfähiger Sterbender
    stellvertretend angemessene Entscheide treffen. Die Patientenverfügungen sind häufig
    nicht rechtzeitig verfügbar, und oft bleibt unklar, ob sie auf freiem Willen beruhen und ob sie
    im Wissen um die Folgen der geäusserten Wünsche verfasst worden sind. Nicht selten sind
    die darin geäusserten Wünsche und Forderungen nicht realisierbar oder widersprüchlich.“

    Was mich hier vor allem stört ist die Aussage, dass es oft unklar bleibe, ob die Patientenverfügung auf freiem Willen beruhe. Das stört mich nicht nur, sondern ärgert mich ein wenig. Es liegt meines Erachtens nicht im Ermessen eines Arztes / einer Ärztin, den freien Willen eines Patienten in Frage zu stellen. Wenn dem so wäre, würde alles um die Patientenverfügung hinfällig. Abschliessend ist zu sagen, dass in erwähnter Studie nicht ersichtlich ist, inwiefern die in einer Patientenverfügung geäusserten Wünsche und Forderungen nicht realisierbar oder widersprüchlich seien. Auf Seite 27 wird sodann aufgezeigt, wie diesen „Problemen“ begegnet werden könnte. Die Patientenverfügung soll nämlich auf Initiative des Gesundheitspersonals erstellt werden. Dies unter dem Titel «Advance Care Planning».

    Zum Synthesebericht der Nationalfondsstudie:

    http://www.nfp67.ch/SiteCollectionDocuments/nfp67-synthesebericht-de.pdf

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  2. Hat dies auf Wima1711's Blog rebloggt und kommentierte:
    Wenn Ihr Kommentar nicht von talkwalker.alert gelistet worden wäre, wüsste ich gar nicht, dass der Tagesanzeiger über diese Ergebnisse bereits am 22.11.17 berichtet hat. Ich warte nun gespannt auf die detaillierte Kommentierung.

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