Konflikt zwischen Patientenverfügung und Organspenderausweis

Wenn man bereit ist, seine Organe zu spenden, muss das mit der eigenen Patientenverfügung abgestimmt werden. Der nachfolgende Link verweist auf einen kurzen Filmbeitrag der ARD aus dem Jahre 2015 und zeigt die Problematik auf. Gemäss diesem Beitrag ist eine Organspende nur möglich, wenn der Spender in einer „aufwändigen Prozedur“ künstlich am Leben gehalten wird. Denn nur so ist eine spätere Hirntoddiagnostik und eine darauf folgende Organentnahme möglich. Offensichtlich kann es sein dass genau dieses Vorgehen in einer Patientenverfügung nicht gewünscht wird, was zu Problemen führen kann.

ARD-Filmbeitrag

Ganz generell zum Hirntod bzw. was das genau ist, kann ich den folgenden Beitrag von ARTE empfehlen.

Der Streit um den Hirntod; Organspende auf dem Prüfstand

 

Wo hinterlege ich den Vorsorgeauftrag?

Art. 361 Abs. 3 ZGB führt hierzu aus: Das Zivilstandsamt trägt auf Antrag die Tatsache, dass eine Person einen Vorsorgeauftrag errichtet hat, und den Hinterlegungsort in die
zentrale Datenbank ein. Der Bundesrat erlässt die nötigen Bestimmungen,
namentlich über den Zugang zu den Daten.

Etwas spezifischer will man das jetzt im Kanton Nidwalden regeln. Angedacht ist, dass die Vorsorgeaufträge bei der jeweiligen Wohnsitzgemeinde hinterlegt werden sollen. Und dort sodann am selben Ort, wo auch heute schon Erbverträge oder Testamente  hinterlegt werden.  Sicher eine gute Idee, aber wo bleibt die Patientenverfügung?

Art. 371 Abs. 2 ZGB regelt dies so: Wer eine Patientenverfügung errichtet hat, kann diese Tatsache und den Hinterlegungsort auf der Versichertenkarte eintragen lassen. Der
Bundesrat erlässt die nötigen Bestimmungen, namentlich über den
Zugang zu den Daten.

Da von Seiten der Spitäler Stimmen laut werden, dass die Patientenverfügungen oft nicht genug schnell auffindbar seien, könnte das auch im vorerwähnten Sinne geregelt werden. Hier der entsprechende Artikel in der Luzerner Zeitung:

Luzerner Zeitung

 

Zur „Illusion des selbstbestimmten Sterbens“?

Zu meinem am 1. März 2018 veröffentlichten Blogbeitrag möchte ich folgendes ergänzen:

Ich finde zunächst den Titel des Tagesanzeigerartikels zu reisserisch. Denn das selbstbestimmte Sterben ist keine Illusion oder soll eben keine Illusion sein, sondern ein erstrebenswertes Ziel. Auch wenn es stimmt, und das zweifle ich nicht an, dass die meisten Menschen ihre letzte Lebensphase in Spitälern und Pflegeheimen verbringen, hindert dies eine bewusste Entscheidung im Rahmen einer Patientenverfügung keineswegs. Weiter wird in besagtem Artikel ausgeführt, dass die Resultate einer Nationalfondsstudie ergeben hätten, dass die Wünsche in Patientenverfügungen oft widersprüchlich und nicht realisierbar seien. Auf der Suche nach der Quelle dieser Aussage bin ich in dieser Studie auf Seite 26 unten auf folgendes gestossen:

„Patientenverfügungen, wie sie im neuen Erwachsenenschutzrecht geregelt sind,
tragen oft nicht befriedigend dazu bei, dass Ärzte oder Angehörige urteilsunfähiger Sterbender
stellvertretend angemessene Entscheide treffen. Die Patientenverfügungen sind häufig
nicht rechtzeitig verfügbar, und oft bleibt unklar, ob sie auf freiem Willen beruhen und ob sie
im Wissen um die Folgen der geäusserten Wünsche verfasst worden sind. Nicht selten sind
die darin geäusserten Wünsche und Forderungen nicht realisierbar oder widersprüchlich.“

Was mich hier vor allem stört ist die Aussage, dass es oft unklar bleibe, ob die Patientenverfügung auf freiem Willen beruhe. Das stört mich nicht nur, sondern ärgert mich ein wenig. Es liegt meines Erachtens nicht im Ermessen eines Arztes / einer Ärztin, den freien Willen eines Patienten in Frage zu stellen. Wenn dem so wäre, würde alles um die Patientenverfügung hinfällig. Abschliessend ist zu sagen, dass in erwähnter Studie nicht ersichtlich ist, inwiefern die in einer Patientenverfügung geäusserten Wünsche und Forderungen nicht realisierbar oder widersprüchlich seien. Auf Seite 27 wird sodann aufgezeigt, wie diesen „Problemen“ begegnet werden könnte. Die Patientenverfügung soll nämlich auf Initiative des Gesundheitspersonals erstellt werden. Dies unter dem Titel «Advance Care Planning» ……..

Zum Synthesebericht der Nationalfondsstudie:

http://www.nfp67.ch/SiteCollectionDocuments/nfp67-synthesebericht-de.pdf

Die Illusion vom selbstbestimmten Sterben?

Im Tagesanzeiger vom 27. Februar 2018 gab es einen Artikel zum Thema Patientenverfügung mit einem für mich ziemlich reisserischen Titel (siehe oben). Es werden darin die Resultate einer Nationalfonds-Studie zusammengefasst. Eine detaillierte Kommentierung meinerseits wird folgen, denn ich bin nicht mit allen Punkten darin einverstanden. Der Artikel zeigt jedoch auf, dass gewisse Kreise sich an der momentanen gesetzlichen Regelung stören.

Tagi-Artikel

 

 

Aufgaben der Erwachsenenschutzbehörde bzw. der KESB bei der Patientenverfügung

Jede dem Patienten nahestehende Person kann die Erwachsenenschutzbehörde aufrufen, wenn sie der Meinung ist, dass die behandelnden Ärzte der Patientenverfügung nicht entsprechen. Die Behörde hat hierbei jedoch eine geringere Rolle als beim Vorsorgeauftrag, da sich die Patientenverfügung inhaltlich an die behandelnden Ärzte und Ärztinnen richtet. Sie verfügt jedoch über Mittel, die notwendigen Massnahmen vorzukehren, wenn sich die Interessen eines urteilsunfähigen Patienten als gefährdet erweisen sollten.

Patientenverfügung und Urteilsunfähigkeit

Im medizinischen Alltag kann es jedoch sein, dass eine betroffene Person den juristischen Kriterien hinsichtlich Urteilsfähigkeit nicht mehr entspricht, aber trotzdem ansprechbar ist und Wünsche äussert. Klarerweise darf dann nicht einfach über den Kopf des Patienten hinweg entschieden werden, nur weil eine Patientenverfügung vorliegt. Auch eine urteilsunfähige Person ist bei Vorliegen einer Patientenverfügung soweit als möglich in jegliche Diskussionen miteinzubeziehen.

Art. 6 Abs. 3 der Biomedizinkonvention:

(…) (3) Ist eine volljährige Person auf Grund einer geistigen Behinderung, einer Krankheit oder aus ähnlichen Gründen von Rechts wegen nicht fähig, in eine Intervention einzuwilligen, so darf diese nur mit Einwilligung ihres gesetzlichen Vertreters oder einer von der Rechtsordnung dafür vorgesehenen Behörde, Person oder Stelle erfolgen.

Die betroffene Person ist so weit wie möglich in das Einwilligungsverfahren einzubeziehen.

 

Die Patientenverfügung

Mit der Patientenverfügung werden Anordnungen hinsichtlich medizinischer Massnahmen getroffen für den Fall der eigenen Urteilsunfähigkeit. Es sind zwei Arten von Verfügungen möglich, die auch kombinierbar sind. Im Kern kann die betroffene Person zunächst festlegen, welchen medizinischen Massnahmen sie zustimmt und welche sie ablehnt. Es ist aber auch möglich, dass in einer Patientenverfügung eine Person bestimmt wird, welche über die zu treffenden Massnahmen dann entscheidet, wenn die betroffen Person dazu selber nicht mehr in der Lage ist.

Rotes Kreuz